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Die Geschichte des Tarot

Copyright © Andreas Schmitt

Theorien zur Herkunft des Begriffs Tarot
Für die Entstehung an sich gibt es einige Theorien. Viele Tarotwissenschaftler haben sich mit dieser Grundsatzfrage befasst. Dabei sind verschiedene Herkunftsländer wie Ägypten, Indien, Pakistan aber auch China und Korea genannt worden. Woher die Karten letztendlich genau stammen lässt sich wohl nie klären. Darüber hinaus gibt es auch Spekulationen, der Begriff Tarot käme aus dem Lateinischen oder Ungarischen. Die Bedeutung dieses Wortes ist aus Sicht der Sprachwissenschaft bis heute allerdings gänzlich unbekannt.
Der Pfarrer Antoine Court de Gébelin (1719 - 1784) deutete das Wort Tarot aus dem ägyptischen "Tar" für "Weg" und "Ro" für "königlich". Als jedoch im vergangenen Jahrhundert die ägyptischen Hieroglyphen übersetzt wurden, erwies sich diese Interpretation als inkorrekt. Des Weiteren gibt es die Hypothese, dass Tarot aus dem hebräischen "Tora" entstanden ist. Die Thora steht als Weisung an der Spitze der hebräischen Bibel und ist damit der Grundstein des jüdischen Glaubens, der Kabbala. Die Beziehungen zwischen Tarot und Kabbala sind vielfältig. Dabei ist zu beachten, dass jede der 22 Trumpfkarten einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets zugeordnet werden kann. Der Franzose Eliphas Lèvi war der erste, der auf diesen Zusammenhang hingewiesen hat.

Woher kommt Tarot?
Die für mich plausibelste Erklärung über die Herkunft des Tarots könnte von einem der bedeutendsten Tarotforscher des 20. Jahrhunderts, von Dr. Paul Foster Case (1884 -1954), stammen. Laut Case entstand der Tarot nach der Zerstörung der Bibliothek von Alexandria um das Jahr 520 in Fez, Marokko. Nach seiner Auffassung galten die ersten Tarotkarten als Kommunikationsmittel zwischen internationalen Gelehrten, die verschiedene Sprachen hatten, und sich so über die Bildsymbolik des Tarot leichter verständigen konnten. Aber der Hauptgrund laut Case lag wohl darin, universelles Wissen in unverfänglicher Form, nämlich in Bildern, zu bewahren und weiterzugeben. Über die Araber gelangen die Tarotkarten dann vermutlich von Nordafrika nach Italien.

Anmerkung zur Person Case:
Er war Leiter des Ordens der Goldenen Morgenröte in den USA und Kanada und gründete 1922 den Zirkel B.O.T.A (Builder of the Adytum), der heute seinen Hauptsitz in Los Angeles hat. Case war der erste Tarotkenner, der C. G. Jungs Erkenntnisse über das kollektive Unbewusste (Archetyp) mit Tarot in Verbindung brachte. Dabei handelt es sich um Bilder und Kräfte, die allen Menschen gemeinsam sind, ohne dass sie eigens erlernt werden müssten. Der bekannteste Archetyp ist der oder die "Alte Weise", eine Figur, die auch im Traum eines Kindes erscheinen könnte, das noch niemals einen alten Menschen gesehen hat (daher angeborenes Wissen). Archetypen zeigen sich im Tarot in den 22 Karten der Großen Arkana. Sie zeigen die Reise des Helden in archetypischen Bildern. Das Vorbild für den Lebensweg des Menschen, den Jung als Individuationsweg beschreibt.

Tarot in Europa: Vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart
14. bis 16. Jahrhundert

1939 wurde im Topkapi-Museum in Istanbul ein Kartenspiel entdeckt. Diese Karten stammen von den Mamelucken (ursprünglich Militärsklaven türkischer Herkunft), die seit Mitte des 13. Jahrhunderts in Ägypten herrschten. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts tauchten derartige Spielkarten im damals arabisch dominierten Spanien auf. Die so genannten Mamelucken-Karten bestanden aus 52 Spielkarten. Jeder der vier Sätze bestand aus zehn Zahlenkarten und drei Hofkarten. Die Hofkarten bestanden aus einem Malik (König), einem Naib Malik (stellvertretender König) und dem Thani Naib (Stellvertreter des Stellvertreters). Aus diesen Karten entwickelten sich wahrscheinlich die heutigen Tarot- und Spielkarten. Karten der Mamelucken und ihre späteren Symbole bei den Spielkarten:

  • Kelche (später Herz)

  • Schwerter (später Pik)

  • Münzen (später Karo)

  • Stäbe (bei den Mamelucken durch Poloschläger dargestellt, da sie sich für dieses Spiel begeisterten, später Kreuz)

  • ein Herrscher und

  • zwei Wesiren (die beiden Stellvertreter. Später wurden diese dann durch Königinnen und den Narren ergänzt)

In Europa fanden diese Symbole eine Entsprechung in den vier mittelalterlichen Ständen wie: Kelche für Klerus, Schwerter für Ritter, Münzen für Kaufleute und Stäbe für Bauern. Da jeder dieser Sätze aus 10 Zahlenkarten (Ass bis 10) und vier Hofkarten (König, Königin, Ritter und Bube) besteht, sind es insgesamt 56 Karten, welche heute die "kleinen Arkana" (die kleinen Geheimnisse) genannt werden.
Ein erstes nachweisbares Dokument über Spielkarten in Europa stammt aus dem Jahr 1374 von Bruder Johannes, einem Dominikanermönch aus Basel. In seinem "Tractatus de moribus es disciplina humanae conversationis" (heute im Britischen Museum in London) heißt es: "Anno Domini 1374 kam ein Spiel zu uns, das ein Kartenspiel genannt wird, und das in wunderbarer Weise den Zustand dieser Welt beschreibt. Doch woher es stammt, wer es erfunden hat und was damit tut, entzieht sich meiner Kenntnis." Drei Jahre später wurden die ersten Spielregeln in Italien gedruckt. Doch kaum waren diese Karten in Europa aufgetaucht, gab es im gleichen Jahr auch schon von dem Magistrat der Stadt Florenz ein Verbot für dieses Spiel, welches "Naibble" genannt wurde. Dieser Ausdruck hält sich bis zur Gegenwart im Spanischen unter dem Namen "Naiples". Weitere Verbote gab es 1378 in Deutschland, 1381 in Marseille und 1397 in Paris. Die Karten galten zudem aus Sicht der Kirche als ketzerisch.
Es spricht viel dafür, dass Spielkarten seit etwa 1392 am Pariser Hof Karls VI (Charles VI, 1368 - 1422) bekannt waren. Sie dienten allein zur Unterhaltung. Gemalt wurden diese Karten von Jaquemin Gringonneur. Von ihnen liegen heute 17 Karten in der Bibliotheque National in Paris. Die ersten dokumentierten Kartendecks, welche man als Vorläufer des europäischen Tarot bezeichnen kann, entstanden um 1420 bis 1449 am Hof der Mailänder Herzogsfamilien Visconti und Sforza. In dieser Zeit bestellte der Mailänder Herzog Filipo Maria Visconti (1392 - 1447) zahlreiche Spielkarten. Es gab damals ca. 300 Trumpfkarten (welche ausschließlich als Spielkarten genutzt wurden) aus vermutlich fünf verschiedenen Decks, von denen heute noch an die 250 Karten erhalten sind.
In dieser Zeit entstanden auch Spiele wie: "Deck der Götter" ("Il Mazzo degli Dei") von Michelino da Besozzo (ca. 1370 - ca. 1450), einem der angesehensten Künstler seiner Zeit. Das Spiel bestand aus 78 Karten mit vier Farben zu je 14 Karten und 22 unnummerierten Karten, die verschiedene Szenen darstellten. Damit waren die Karten der Großen Arkana (lateinisch Arkanum = das Geheimnis) bzw. Trumpfkarten geboren.

Die Farben teilten sich wie folgt auf:

  • die Adler für die Tugenden

  • die Falken für Materielles und Reichtum

  • die Hunde für Keuschheit

  • die Tauben für Lust und Vergnügen

Ein weiteres Deck war das 1441 entwickelte "Visconti-Sforza-Deck"aus dessen 78 Karten (56 Karten, die man heute Kleine Arkana nennt und die 22 Trumpfkarten der heutigen Großen Arkana) heute noch 74 erhalten sind.  Gemalt wurden diese Karten von dem Künstler Bonifazio Bembo. Hierbei handelt es sich wohl um denn ältesten bekannten Tarot weltweit.
Doch erst 1449 wurde von Jacopo Antonio Marcello (1398 - 1464) für diese Art von Kartendecks der Name "Trionfi-Karten" (Trionfi: it.-lat. Formen des Triumph oder Trumpf) eingeführt. Einige dieser Decks hatten 14 Karten mit je fünf Farben. Der Begriff "Tarocci" wurde 1516 in Italien erstmalig erwähnt. Die deutsche Übersetzung lautet "Tarock". Diese Karten kennen wir als den heutigen Tarot. Doch bisher galten sie nur als Spielkarten. Der Aufbau der Tarotkarten, wie wir ihn heute kennen, findet sich erstmals in einem Tarot aus Lyon von Catelin Geofroy aus dem Jahr 1557.

18. Jahrhundert
Der Franzosen Etteilla, eigentlich Jean Francoise Alliette (1738 - 1791), war wohl der erste europäische Tarotist. Seinen Künstlername legte er sich zu, indem er einfach seinen Nachnamen von hinten nach vorne schrieb. Etteilla befasste sich zeitlebens mit der Thematik der Numerologie und Astrologie, bevor er sich entschloss Wahrsager zu werden. Er stellte die Behauptung auf, Tarot sei 171 Jahre nach der Sintflut im Jahre 2170 v. Chr. bei einer Zusammenkunft von Magiern unter dem Vorsitz von Hermes Trismegistos entstanden. Das sei ihm 1753 offenbart worden. Zu seiner Zeit war er nicht der einzige, der sich an solchen anmutenden Berechnungen und Spekulationen versuchte.
Doch hatte er damit sehr viele Anhänger gewinnen können, auch wenn seine Theorien damals wie heute eher belächelt werden.
Erst um das Jahr 1760 entwickelte der deutsche Jude Nicolas Conver den "Marseiller Tarot". Dieses Deck wurde im 18. und 19 Jahrhundert hauptsächlich von Magiern verwendet. Die Motive gehen auf alte Holzstiche zurück und sind blau, rot, gelb und grün koloriert. Dadurch wirken sie sehr mittelalterlich. Am Marseille-Tarot orientiert sich auch heute noch die Reihenfolge der Karten. Doch wohl erst im Jahre 1781 begann die belegbare Geschichte des esoterischen Tarots. Damals sah Antoine Court de Gèbelin (1719 - 1784) Tarotkarten in einem Pariser Salon und erkannte darin spontan und ohne jeden Zweifel ihren ägyptischen Ursprung. Daraus resultierten für Gèbelin drei Vermutungen zum Tarot, die bis heute allerdings widerlegt sein dürften:

  • Tarot ist ein altägyptisches Weisheitsbuch.

  • Die Karten wurden von den Zigeunern nach Europa gebracht.

  • Die 22 Karten der Großen Arkana bringen bildhaft Bedeutung und Symbolik der 22 Hebräischen Buchstaben zum Ausdruck.

Etteila griff das Gedankengut von Gèbelin auf und veröffentlichte die ersten Deutungsregeln für Tarotkarten.
1788 gründete Etteila die "Vereinigung der Deuter des Buches von Thot", einen Verein, der sich mit der divinatorischen Deutung des Tarots beschäftigte. Im Jahre 1789 veröffentlichte er einen eigenen Tarot, der jedoch in der Struktur und in den Kartenbezeichnungen erheblich von dem traditionellen Tarot (bestehend aus der Großen Arkana mit 22 Karten und der Kleinen Arkana mit 56 Karten) von heute abweicht.

19. und 20. Jahrhundert
Einerseits gibt es die Behauptung, Eliphas Lèvi (1810 - 1875), ein seinerzeit führender Experte für okkulte und magische Themen, sei der erste gewesen, der 1850 eine Verknüpfung zwischen der Großen Arkana und der Kabbala sah. 1854 veröffentlichte er sein Werk "Dogme et Rituel de la Haute Magie" in dem er auf diese Theorie hinweist sowie auf die Zusammenhänge zwischen dem Tarot und den vier Elementen der Alchemie. Lèvi schloss sich Gèbelins Idee an, Tarot sei ägyptischen Ursprungs. Doch wie schon erwähnt, glaubte Gèbelin 1781 schon in den 22 Trumpfkarten diese Verbindung zu sehen. Hingegen dieser These beschreibt der französische Historiker und Journalist Jean-Baptiste Pitos (Pseudonym Paul Christian) in seinem 1870 erschienenem Buch "Histoire de la magie" Tarotkarten als Bilder und Stationen eines *Einweihungsweges. Pitos war auch der erste, der eine Verbindung zwischen den Tarotkarten und astrologischen Zeichen sah. Die Bezeichnung Arkanum für jede der 22 Karten, welche bis dahin Trumpfkarten genannt wurden, ist auch diesem Historiker zu verdanken.

*ursprünglich praktiziertes Ritual aus der Antike, durch das ein Kandidat in die Mysterien um Leben und Tod eingeweiht wurde. Da das Mysterium um Leben und Tod stets im Zentrum echter Esoterik stand überrascht es nicht, diesen Einweihungsweg im Tarot wiederzufinden. In der Symbolsprache der Großen Arkana wird dieser Weg von der Karte XII (der Gehängte) bis zur Karte XXI (die Welt) ausführlich beschrieben.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in nahezu allen Industriestaaten zahlreiche esoterische Geheimgesellschaften gegründet. Einer davon war der so genannte Hermetische Orden der Goldenen Morgenröte (Golden Dawn). Gegründet wurde er 1888 von Alphonsus Woodford, einem englischen Geistlichen und Wynn Westcott, einem prominenten Mitglied der freimaurerischen Societas Rosicruciana in Anglia (eine rosenkreuzerische Gesellschaft aus England, die ihre Anfänge im 17. Jahrhundert fand. In ihnen vereinigten sich die mystischen Traditionen der Alchemie, Hermetik und Kabbalisitik), einem Freund von Helena Blavatsky, der Begründerin der Theosophie (eine Weltanschauung, die die Wissenschaft der übersinnlichen Tatsachen sein will. Nach ihrer Lehre gibt es außer der sinnlich-wahrnehmenden Welt noch übersinnliche Welten oder Ebenen). Unter dem Mantel der Geheimhaltung spielte der Tarot im Golden Dawn neben praktischer Magie und esoterischen Disziplinen wie Astrologie und Kabbala eine wesentliche Rolle. Er wurde vorwiegend als Werkzeug zur Selbsterkennung genutzt. Eine rein divinatorische Nutzung zum Voraussagen der Zukunft wurde verneint. Als Aleister Crowley 1898 Mitglied wurde, dauerte es nicht lange, bis der Orden um seine Person polarisierte. 1900 zerbrach der Orden in verschiedene Fraktionen.

1889 schuf der Schweizer Oswald Wirth (1860 - 1943) den ersten wirklichen esoterischen Tarot (nach Vorlagen des Tarot-Marseille) in Europa, nachdem er ein Jahr zuvor Gründungsmitglied des Ordens "Kabbalistique de la Rose Croix" (Kabbalistischer Orden vom Rosenkreuz) war. Er war der Erste der die "Große Arkana" entwickelte ("Oswald-Wirth-Tarot") und diese als Einweihungsweg beschrieb. In jahrzehntelanger Arbeit entwickelte Wirth ein zusammenhängendes System, in welchem die numerologische Interpretationen, astrologische Symbolik und Begriffe der Kabbala aufgezeigt wurden. Im Jahre 1926 gab er eine neue Ausgabe seines Decks heraus. Die Kleinen Arkana wurden nicht von Wirth persönlich entworfen und kamen erst später hinzu. Wie erwähnt, beruht Wirths Deck auf den Grundlagen des Marseille-Tarot; allerdings erweitert er diesen aber um kabbalistische und esoterische Symbole. Im Jahre 1909 erschien das heute am weit verbreiteste Deck der Welt von Arthur Edward Waite und der amerikanischen Künstlerin Pamela Coleman-Smith: Der "Rider-Waite Tarot". Der Namen Rider leitete sich von Rider & Son, dem Londoner Verleger ab. Dieses Deck zeichnet sich dadurch aus, dass nicht, wie bis dahin üblich, die Zahlenkarten nur mit der bloßen Anzahl der Symbole, sondern auch szenisch illustriert sind und stellt damit eine Abweichung von der französischen Tradition dar. Dadurch wurden diese Karten für viele Menschen leichter verständlich. 1944 veröffentlichte der Okkultist und Kabbalist Aleister Crowley (1875 - 1947) seine Tarotkarten. Sie wurden zunächst in Form von Buchillustrationen in "Das Buch Thoth" veröffentlicht. Gemalt wurden die Karten von der Künstlerin Lady Frieda Harris. Sie hatte bei der Gestaltung weitgehend freie Hand. Erst 1969 wurde der Crowley Tarot als Kartendeck herausgebracht. Da Crowley den Ruf eines Schwarzmagiers hatte, erhoben viele den Vorwurf, Tarot sei eine Art Werkzeug von Magiern und Satanisten. Trotzdem zählt dieses Deck nach dem Rider-Waite zu den bekanntesten der Welt.

In den 1960er Jahren stieg das Interesse an Tarot weltweit. Der Auslöser dafür fand sich in der Hippiebewegung, einer gegenkulturellen Jugendbewegung, welche in San Francisco ihren Ursprung hatte. In der Spätphase dieser Zeit entstand die so genannte "New Age"-Bewegung; eine Bezeichnung für Esoterisches im Umfeld der Hippie-Bewegung. Durch dieses "Neue Zeitalter"erhielt auch Tarot einen ganz neuen Aufschwung. Das ging soweit, dass bekannte Personen dieser Bewegung, wie der Gitarrist von Led Zeppelin, Jimmy Page, das Anwesen Boleskine in Schottland erwarben, in welchem Crowleys zu Beginn des Jahrhunderts lebte. Page war einer der größten Anhänger Crowleys. Auch die Beatles schlossen sich dem Esoterikboom an. Auf ihrem Cover "Sgr. Pepper`s Lonely Hearts Club Band" findet sich unter anderem ein Foto Crowleys. Es bleibt allerdings offen, ob diese Persönlichkeiten sich ernsthaft mit den Werken Crowleys auseinander setzten oder nur provozieren wollten. Das Interesse an Tarot hielt jedenfalls an, sodass 1983 sogar weltbekannte Künstler wie Salvador Dali ihr eigenes Tarotdeck entwarfen. Tarot erhielt in dieser Zeit eine nie da gewesene Popularität, die eine Fülle von verschiedenen Tarotdecks mit sich brachte. Ein Höhepunkt dieser Popularität war die Errichtung eines Tarotgartens in den 90er Jahren von Niki de Saint Phalle in der Toscana.

Die Tarotkarten in ihrer heutigen Vielfalt
Die 78 Karten des klassischen Tarot stellen eine Art symbolischen Lebensweg dar. Dabei können sie als Wegweiser und Meilenstein dieser Reise angesehen werden. Es gibt eine Vielzahl von Decks, dabei ist aber jedes dieser Decks unterteilt in:

  • die 22 Karten der großen Arkana (im lt. Arcanum, was geheimes Wissen bedeutet). Sie sind nummeriert von 0 bis XXI und keiner Farbe zugeordnet.

  • Die 56 Karten der Kleinen Arkana hingegen sind in vier Farben unterteilt. Jede Farbe beinhaltet vier Hofkarten wie Bube, Ritter, Königin, König und zehn Zahlenkarten, mit den Assen als Eins.

Aber warum ausgerechnet 78 Karten? Vielleicht, weil die Zahl 78 der Summe der ersten zwölf Zahlen (1+2+3+4+5+6+7+8+9+10+11+12=78) entspricht. Da die Zwölf traditionell für die Vollständigkeit steht, wird die Zahl als das Ganze angesehen. Die Großen Arkana oder auch Trumpfkarten weisen, neben der persönlichen, die jeweilige Situation des Fragenden betreffenden Bedeutung auf eine übergeordnete universelle Lehre hin, der kosmische Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen. Wir können die Großen Arkana auch als Urbilder oder Archetypen menschlicher Bewusstseins- und Entwicklungsstufen bezeichnen. Damit stellen sie übergeordnete Schritte auf unserem Lebensweg dar und deuten auf unsere Lebensthemen und -aufgaben. Tarotdecks gibt es heute in großer Fülle. Sie unterscheiden sich vor allem durch ihre kulturellen, esoterischen, spirituellen oder philosophischen Systeme sowie ihrer künstlerischen Gestaltung. Decks, die von diesen traditionellen Punkten abweichen, werden als "freie Decks" bezeichnet. Hierbei handelt es sich um nachfolgende Wahrsagekarten, auf welche ich nur kurz eingehen möchte: Lenormandkarten: Im Gegensatz zu Tarotdecks haben sie keine Arkana und bestehen i.d.R. aus 36 Karten. Die Motive im meist biedermeierlichen Stil unterscheiden sich in Sach- und Personenkarten. Als Personenkarten gelten z.B. die Dame, der Herr und das Kind. Sachkarten hingegen sind das Buch, der Ring usw. Sie repräsentieren einfach das, was sie darstellen und sind vor allem dazu geeignet, sich einen ausführlichen Überblick über die zukünftige Tendenzen zu machen. Skatkarten: Sie bestehen aus insgesamt 32 Karten. Dabei gibt es 4 Hauptfamilien: Herz/ Karo/ Pik/ Kreuz. Diese sind ganz grob auf den Punkt gebracht, die Herzkarten die Gefühlskarten, die Pikkarten die Reise- , Nachricht- und Veränderungskarten, die Kreuzkarten die Karten für Misslingen oder Krankheit und Traurigkeit und die Karokarten die materiellen Karten. Kipperkarten: Ein Deck besteht aus 36 nummerierten Karten, auf denen jeweils eine Person oder ein Ereignis abgebildet ist. Zigeunerkarten: Sind in sechs Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Ungarisch) beschriftet und ein Kartendeck hat ebenfalls 36 Karten. Der Begriff Zigeunerkarten kam erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Man bediente sich hier ganz einfach des mystischen Rufs der Zigeuner als erfahrene Wahrsager und Kartenleger. Darüber hinaus gibt es noch die Gruppe der Orakelkarten, wie Engel-, Runen und I-Ging-Karten, die zur Wahrsagerei dienen, ich aber aus Platzgründen hier nicht näher erläutern möchte. Eine Sonderform sind die feministischen Decks, von denen der Daughters of the Moon und der Motherpeace-Tarot die bekanntesten sind. Diese beiden Decks bestehen aus runden Karten, während nahezu alle anderen Decks aus rechteckigen Karten bestehen. Des Weiteren gibt es auch einige sogenannte Fantasydecks oder thematische Decks wie z.B. ein Edelstein- und Baumtarot, welche sich auf zugehörige esoterische Systeme beziehen. Thematische Decks ohne esoterischen Bezug sind der Baseball-, Cat People-, Halloween- oder Vampir-Tarot. Darüber hinaus gibt es noch Decks, welche für besondere Fragestellungen gedacht sind, wie das Tarot der Liebe.

Tarot in der Zukunft - Meine persönliche Prognose
Der seit Jahren anhaltende Esoterikboom sorgt meiner Meinung nach dafür, dass Tarot immer mehr zu einer Art "Modespiel" verkümmert. In letzter Zeit tauchen Tarotkarten vermehrt in Filmen und sogar Musikvideos auf. Ein Beispiel dafür ist der "Herr der Ringe-Tarot". Hier wird ein Kartenspiel passend zu einem Film vermarktet. Dieser Boom wird, meiner Auffassung nach, dazu führen, dass Tarot in der Öffentlichkeit deutlich an Ansehen verliert. Durch diese These wird meiner Meinung nach das Misstrauen gegen das Kartenlegen an sich steigen. Wie beispielsweise Kritik an dem Ergebnis einer Kartenlegung, sprich das nur allgemeine Aussagen oder Tendenzen zu einem Thema gemacht werden. Zudem ist immer mehr zu beobachten, dass Kartenlegungen angeboten werden, mit dem Ziel Esoterikartikel zu verkaufen. Ich habe selbst einige Internetseiten gefunden, auf denen "Schutzamulette" oder Edelsteine angeboten werden, für den Fall, dass eine Tarotlegung eine "negative" Aussage zu einer Frage geben könnte.
Ein Gegensatz dazu bietet der erste, 2003 in München gegründete, Tarotverband Deutschlands. Hier wird Tarot wieder in seinen Ursprüngen gezeigt, insbesondere als das, was es ist, ein Kartenorakel, welches zu psychologischen und divinatorischen Zwecken dient. Erstmals werden hier auch Richtlinien für geprüfte Kartenleger geschaffen.

Literaturliste

Print:
Banzhaf, Hajo, Tarot und die Reise des Helden, Hugendubel, 1997 Banzhaf, Hajo, Gut beraten mit Tarot, Goldmann, 2005 Crowley, Aleister, Das Buch Thoth, AGMüller, 1991 Haebler, Anna, Tarot - Was die Karten verraten, Südwest, 2001 Waite, Arthur E., Der Bilderschlüssel zum Tarot, AGMüller, 1991


WorldWideWeb:
http://eso-balder.de
http://esoterik-infoline.de
http://jo-tarot.de
http://www.mmseiten.de
http://www.noeastro.de
http://peregrinus.ch
http://www.religio.de
http://www.tarot.de
http://www.tarotservice.de
http://www.tarotverband.de
http://www.tarotwissen.de
http://www.wikipedia.de
http://www.volkerschendel.de


Unsere Linktipps:

www.esoterik-heilsteine.de
Schmuck, Esoterik und Bücher über Heilsteine

www.individuum.es
Die Alternative zu den klassischen Kartendecks: Die Individuum-Universalkarten. Bei der Entwicklung dieser Karten wurde bewusst auf zuviel Symbolik verzichtet und mehr die Eigenschaften des Menschen an sich in den Vordergrund gestellt

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